Einmal Facebook und zurück

Gut zehn Monate ist es nun her, dass ich mich ziemlich entnervt von Facebook und Twitter sowie diversen anderen (zum Teil auch einfach nur angehängten) Social Network-Diensten verabschiedet habe, weil mir die Flut der übermittelten Informationen einfach zu viel wurde. Wenn man wie ich dazu neigt, neue Dinge erst einmal auszuprobieren, bevor man »brauch ich nicht« oder »taugt eh nix« sagt, hat man schnell einen Haufen Accounts bei einer Menge Dienste. Der Vielzahl dieser Dienste gedenke ich demnächst noch einen eigenen Eintrag zu widmen, doch ein Netzwerk hat es mir gerade wieder besonders negativ angetan: Facebook.

Als ich also im letzten Herbst Facebook hinter mir zu lassen gedachte, habe ich fein säuberlich alle unnötigen Informationen nebst meiner Handynummer aus meinem Profil gelöscht, und wollte dann auch selbiges selbst tilgen. Gesagt, getan, misslungen – denn standardmäßig wird ein Facebook-Profil lediglich deaktiviert, löschen ist ungleich komplizierter.
Bis ich das aber wirklich realisiert und nachgegoogelt hatte, war auch die Wochenfrist um, in der sich ein Profil beim Einlog-Versuch automatisch reaktiviert. Also habe ich es so hingenommen.

Im Frühjahr schliesslich hatte ich in Erwägung gezogen, dieses Profil doch wieder zu aktivieren, um mir die Integration von Facebook in Windows Phone 8 anzusehen, da ich zu diesem Zeitpunkt ein Nokia Lumia 920 hatte – auch noch ein Thema für einen eigenen Eintrag. Also das Einloggen zum Reaktivieren probiert und grandios gescheitert, da ich mein Profil irgendwann einmal mit dem Schutz per Handy/SMS-Code versehen hatte. Und diese Handynummer hatte ich ja nun wie oben beschrieben aus dem Profil entfernt.
Sicherheitscode per SMS ging also nicht. Stattdessen wollte Facebook nun einen Identitätsnachweis haben. Also die notwendige Sektion vom Ausweis abfotografiert, als Anhang an die entsprechende Mail von Facebook wegen des Reaktivierungsversuchs gehängt – und umgehend kam die Mail als unzustellbar zurück. Also habe ich es gut sein lassen.

Nach dem Erscheinen von »Netz der Intrige« kam ich nun aber zu dem Schluss, dass man auch als unbedeutender Teilzeitautor vielleicht doch auf Facebook präsent sein sollte; ebenso habe ich festgestellt, dass ohne Facebook der Kontakt zu einigen Verwandten doch merklich abgenommen hat, der halt vorher da war.

Es wurde also Zeit für den zweiten Reaktivierungsversuch, der wie schon erwartet zur Notwendigkeit der Identifikation führte. Also gut, nochmal ein Teilfoto vom Ausweis gemacht, und dieses Mal kam die Mail auch nicht zurück. Was blieb, war das mulmige Gefühl, ob es wohl diesmal klappen würde.
Die automatische Mail von Facebook, die mich über die Identifikationsnotwendigkeit in Kenntnis setzte, versprach eine Meldung des Facebook-Teams bei mir binnen 48 Stunden. Am Montag abgeschickt rechnete ich also für den Mittwoch mit der Erledigung, doch nichts passierte. Am Donnerstag habe ich das ganze dann als weiteren erfolglosen Versuch abgehakt. Und wieder erwarten kam dann am Freitag doch noch die entsprechende Nachricht, dass die Reaktivierung meines Kontos nun vollzogen sei…
Merke: Für Facebook hat der Tag nur zwölf Stunden…

Nun war ich also wieder drin – und war bereits nach einem Tag schon wieder völlig genervt: Seitenvorschläge, Personenvorschläge, Werbung und irgendwelche Spaß-Postings machten den Großteil meines Nachrichtenstroms aus. Etwas Interessantes? Fehlanzeige.
Drei Tage später habe ich nun heute die Facebook-App schon wieder von meinem Handy geschmissen. Wenn ich wirklich in mein Facebook gucken will, kann ich es ja über Flipboard tun. Wie lange ich nun aber tatsächlich dabei bleibe und ob, was und wieviel ich posten werde wird die Zeit zeigen.
Aber eines ist sicher: Beim nächsten Mal wird mein Facebook-Account richtig und vollständig gelöscht…

Social Networking

Soziale Netzwerke sind ja eine spannende Sache. Sie ermöglichen das Pflegen von Kontakten, stellen Messenger-Funktionen bereit, liefern uns Informationen zu Themen oder Leuten, die uns interessieren. Im Normalfall ist es dabei ja meistens so, dass man die Personen, mit denen man sich vernetzt, auch irgendwie kennt, sei es durch gemeinsame Vergangenheit (wie Schule, Ausbildung, Studium) oder familiäre, berufliche oder hobbybedingte Beziehungen. Ausnahmen davon sind natürlich alle Arten von Prominenten, die den Strom ihrer Follower (um den passenden Anglizismus zu bemühen) natürlich wenig steuern können und wollen; man denke nur an Lady Gaga, die sich eine gewisse Zeit lang mit Barack Obama eine Wettlauf um die meisten Twitter-Follower geliefert hat. Hier aber dient Social Networking dem Kontakt mit Leuten wie Fans oder Wählern, die man so sehr einfach erreichen kann.

Doch wie prominent muss man eigentlich sein, um Follower zu haben, die man gar nicht kennt? Vor etlichen Wochen hatte ich damit ein einschneidendes Erlebnis, als ich auf Twitter plötzlich einen neuen Follower hatte, bei dem ich überrascht war: Guido Henkel, Softwareentwickler und seinerzeit in den Neunzigern Chef hinter den drei DSA-Computerspielen (Die Schicksalsklinge (dieser Tage grade aufgepeppt als Remake erschienen), Sternenschweif und Schatten über Riva). Ich bin es ja gewohnt, dass ich von Leuten hinzugefügt werde, denen ich selber folge, aber hier war es nun umgekehrt. Da ich aber selber bekanntermaßen hin und wieder für DSA schreibe, war es auf der anderen Seite nicht allzu verwunderlich; in gewisser Weise fühlt man sich da sogar geehrt… 🙂 Alles in allem ist das aber noch eine nachvollziehbar zustande gekommene Verbindung.

Anders wird das schon, wenn man die Leute gar nicht kennt, wie es mir neulich bei Google+ passiert ist. Keine gemeinsamen Kontakte, keine gemeinsame Community, und dennoch wurde ich eingekreist. In der Anfangszeit dieses Netzwerks hatte ich das auch schon ein paar mal, aber da waren es deutliche Fakes, wie man an den Namen der Einkreisenden ebenso wie an den benutzten fremden Sprachen und/oder Schriftzeichen schnell feststellen konnte. Denn wer sollte mir ernsthaft folgen wollen, der offenbar aus Mittelasien stammt und nicht mal meine Sprachen kann? (Gut, das es dafür die Blockieren-Funktion gibt…)
Nun war es aber eine offenbar auch aus dem deutschsprachigen Raum stammende Person, und neugierig wie ich bin, habe ich mir deren Profil angeschaut (was ich bei jenen, die mir irgendwie folgen, eigentlich immer mache; vielleicht finden sich dort ja interessante Beiträge, und so lange ich nicht von neuen Followern überrollt werde ist so etwas ja machbar). Aber: Keine Gemeinsamkeiten. Ob es wohl am unlängst erschienenen »Netz der Intrige« liegt? Als Autor, und ist man auch noch so unbedeutend, kann man wohl nicht ausschließen, irgendwann Follower zu haben, die man nicht kennt und wohl auch niemals kennen lernen wird. Ich bin gespannt, ob das noch mehr werden.

Solche Ereignisse zeigen jedoch eines deutlich: Man weiß nie, wer welche Beiträge am Ende tatsächlich einmal sehen wird, und insofern ist – gerade in sozialen Netzen – Aufmerksamkeit geboten, welche Inhalte man tatsächlich öffentlich teilt; sei es aus reinem Selbstschutz, aber auch, um interessierte Follower nicht mit Dingen vollzuspammen, die letztlich nur persönliche Relevanz für einen selbst oder bestimmte verbundene Leute haben.